Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Fragen, Themen die das System Bogen incl. Anbauteile betreffen
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rstoll
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Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Beitrag von rstoll » 9. Feb 2019, 22:50

Ein Bild in "Faszination Bogen" der Ausgabe 2/2018 auf Seite 6 ist mir die letzten Tage wieder in die Hände gefallen und lässt mich seither nicht mehr los. Dass eine Sehne nach dem Lösen des Pfeils wild herumschlackert kann ich mir persönlich nicht erklären. Es widerspricht meinem Verständnis auch deshalb, weil ich dann unterstellen müsste, dass solches Geschlabbere eigentlich auch das eine oder andere Mal die Sehne aus den Tips lösen müsste und damit den Bogen "zerlegen".
Meine Erklärung für derartige Sehne-Schlabber-Bilder war immer (und ist weiter) die Aufnahmesensoik (rolling shutter effekt).
Das hier aufgezeigte Beispiel bestärkt mich in der Annahme, dass dieses Verhalten nicht real ist. Grund: Schaut man auf die Sehne, zeigt diese an keiner der abgebildeten Stellen eine gerade Ausrichtung.
Der Schattenwurf hingegen auf Shelf und Hand hingegen zeigt annähern eine Gerade, welche nur durch die Struktur der Hand gebrochen wird.

Für mich ein starker Aspekt für die Meinung, dass derartige Bilder nicht die Realität wiedergeben. Eure Meinung?
skizze entfernt - war zu laienhaft -
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ullr
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Re: Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Beitrag von ullr » 10. Feb 2019, 10:22

Hallo Ralf,
den einzigen Aufnahmen in dieser Richtung, denen ich einigermaßen trauen würde, sind die von Beiter. Es ist in meinen Augen sinnlos, mit einem handelsüblichen Smartphone "Kurzzeitaufnahmen" machen zu wollen, egal ob es sich um die Bewegungen der Finger beim Lösen oder irgendwelche Bewegungen am Bogen handelt, weil keine zeitliche und räumliche Zuordnung hergestellt wird und zusätzlich die Programme der Smartphones Interpolationen liefern, die die gesamte Aussage zwar pseudoscharf, aber die Aussage selber unbrauchbar machen.
Das "Rumschlabbern" der Sehne ist ein gutes Beispiel. Das wird nur bei einem extrem schwachen Bogen (Kinderflitzebogen aus dem Kaufhof) auftreten.
Gruß und klar doch,
"Gut Schuss!"
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mbf
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Re: Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Beitrag von mbf » 10. Feb 2019, 12:50

Hallo Ralf,

ich bin da voll bei Dir. Wenn man sich diese Sehnenschlabberbilder anschaut, müsste sich die Sehne ja um einiges gelängt haben, um eine solche Form anzunehmen. Mal rein aus dieser Betrachtungsweise heraus: die üblichen Sehnengarne haben eine Bruchdehnung in der Größenordnung von wenigen Prozent. Eine Sehne kann also gar nicht diese Längenänderung erfahren, um eine solche Form anzunehmen.

Ja, es ist der rolling shutter. Eigentlich sollten solche Bilder gar nicht veröffentlicht werden...
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rstoll
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Re: Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Beitrag von rstoll » 10. Feb 2019, 13:43

Hier noch ein Bildbeispiel von unserem "Hoffotografen": https://www.facebook.com/BSCSchoemberg/ ... =3&theater.
Wäre das real, würde ich nie wieder einen Compound in die Hand nehmen, müsste ich doch ständig fürchten dass sich die Sehne auch von den Cams runterschlabbert.
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ullr
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Re: Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Beitrag von ullr » 10. Feb 2019, 13:55

rstoll hat geschrieben:
10. Feb 2019, 13:43
Hier noch ein Bildbeispiel von unserem "Hoffotografen": https://www.facebook.com/BSCSchoemberg/ ... =3&theater.
Wäre das real, würde ich nie wieder einen Compound in die Hand nehmen, müsste ich doch ständig fürchten dass sich die Sehne auch von den Cams runterschlabbert.
Mich würde echt interessieren, wie der Fotograf selber dieses Bild interpretiert und die Gründe, weshalb er es veröffentlicht.
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rstoll
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Re: Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Beitrag von rstoll » 10. Feb 2019, 14:07

ullr hat geschrieben:
10. Feb 2019, 13:55
Mich würde echt interessieren, wie der Fotograf selber dieses Bild interpretiert und die Gründe, weshalb er es veröffentlicht.
ullr
Da kann ich gut antworten, haben wir doch sehr oft miteinander zu tun: Frank macht eben gerne und viel Bilder von Aktivitäten unsers Vereins. Er selbst hat kein bogensportfachliches Wissen und interpretiert daher auch gar nichts in da Bild hinein.
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Re: Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Beitrag von Wali » 10. Feb 2019, 15:50

rstoll hat geschrieben:
10. Feb 2019, 13:43
Hier noch ein Bildbeispiel von unserem "Hoffotografen": https://www.facebook.com/BSCSchoemberg/ ... =3&theater.
Wäre das real, würde ich nie wieder einen Compound in die Hand nehmen, müsste ich doch ständig fürchten dass sich die Sehne auch von den Cams runterschlabbert.
Ich halte das für real. Der erste Mathews Monster hatte Cams drauf , die nur sehr niedrig eingefräst waren. Da gabs schon mal den einen oder anderen Spaß.
Das eine Sehne so schlapprig aussieht kannst du selbst mal ausprobieren. Nimm mal 1,5 m Sehnengarn und leg es auf den Tisch. Klemm es mit Gewichten und schieb die dann mal 2-3mm dichter zueinander.

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Re: Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Beitrag von ullr » 10. Feb 2019, 18:13

rstoll hat geschrieben:
10. Feb 2019, 14:07
ullr hat geschrieben:
10. Feb 2019, 13:55
Mich würde echt interessieren, wie der Fotograf selber dieses Bild interpretiert und die Gründe, weshalb er es veröffentlicht.
ullr
Da kann ich gut antworten, haben wir doch sehr oft miteinander zu tun: Frank macht eben gerne und viel Bilder von Aktivitäten unsers Vereins....
Ich kenne das unter "streak effect" beim Schlitzverschluß. Verzerrungen im Bild, wenn man schnell bewegte Objekte aufnimmt. Ich denke, wenn ich im Gegenlicht mit 1/8000s fotografiere, dann kommt genau dieser Effekt heraus. Heute heißt er wohl "rolling shutter effekt"
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rstoll
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Re: Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Beitrag von rstoll » 10. Feb 2019, 19:57

Wali hat geschrieben:
10. Feb 2019, 15:50
Ich halte das für real. Der erste Mathews Monster hatte Cams drauf , die nur sehr niedrig eingefräst waren. Da gabs schon mal den einen oder anderen Spaß.
Wenn ich die oberen 20 cm der Sehen anschaue hätte ich eher die Vermutung, dieser Teil der Abbildung stammt noch aus der Situation kurz nach Lösen der Sehne (Pfeilschub nach vorn)
Wali hat geschrieben:
10. Feb 2019, 15:50
Das eine Sehne so schlapprig aussieht kannst du selbst mal ausprobieren. Nimm mal 1,5 m Sehnengarn und leg es auf den Tisch. Klemm es mit Gewichten und schieb die dann mal 2-3mm dichter zueinander.
Könntest Du das bitte genauer beschreiben, im Moment verstehe ich es noch nicht.
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Re: Die berüchtigte "Schlabbersehne"

Beitrag von mbf » 10. Feb 2019, 20:08

Wali hat geschrieben:
10. Feb 2019, 15:50
Ich halte das für real. Der erste Mathews Monster hatte Cams drauf , die nur sehr niedrig eingefräst waren. Da gabs schon mal den einen oder anderen Spaß.
Das eine Sehne so schlapprig aussieht kannst du selbst mal ausprobieren. Nimm mal 1,5 m Sehnengarn und leg es auf den Tisch. Klemm es mit Gewichten und schieb die dann mal 2-3mm dichter zueinander.
Dabei musst Du aber die Sehne mit der Vorspannung belasten, die beim Bogen vorliegt. Ist es dann überhaupt möglich, die Sehne in die Form auf dem o.g. Bild zu bekommen? Im o.g. BIld liegen einige Zentimeter Auslenkung vor.
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